Allgemeine Vorbemerkungen

Das aus mehreren Einzelgelenken und Gleitschichten kompliziert zusammengesetzte Schultergelenk, welches den Arm mit dem Rumpf verbindet, sticht durch einen ausserordentlich grossen Bewegungsumfang hervor. Dies ist nur möglich auf Kosten der Stabilität, indem die Gelenksführung durch knöcherene Anteile und straffe Bänder zugunsten von lockeren Bändern und einem kräftigen Muskelmantel zurücktritt. Es verwundert daher nicht, dass ein grosser Teil der Erkrankungen der Schulter sich in den Weichteilen abspielt, während die Arthrose, welche z.B. an der Hüfte und dem Knie dominiert, hier bezüglich Häufigkeit eine untergeordnete Rolle spielt.

Schulterschmerzen ohne genau feststellbare auslösende Ursache sind ausserordentlich häufig. Diese Beschwerden gehen meist von der sog. Rotatorenmanschette aus, einer Sehnenhaube,welche den Schulterkopf führt und von drei Seiten umhüllt. An diesen Sehnen sind alle Übergangsformen von Reizung und Entzündung über Teileinrisse bis zu kompletten – manchmal ausgedehnten – Defektbildungen möglich. Es kann auch zu u.U. stark schmerzhaften Kalkeinlagerungen in den Rotatorensehnen kommen. Nicht selten kann eine Schulter nach einer Bagatellverletzung oder sogar ohne äussere Ursache schmerzhaft einsteifen. Am stärksten sind viele Schulter-Patienten durch die lästigen, zermürbenden Nachtschmerzen, welche für die Erkrankungen der Schulterweichteile typisch sind, gestört.

Ebenso sind an der Schulter Verletzungsfolgen nach Arbeits- oder Freizeitunfällen häufig. Bei Stürzen kann je nach Unfallmechanismus das Schultereckgelenk gesprengt werden, der Schulterkopf aus der Pfanne springen (=Luxation) oder es können Risse an der Rotatorenmanschette auftreten. V.a. im Alter werden auch Knochenbrüche nicht selten beobachtet. Der Arzt entscheidet, welche Verletzungen primäroperativ und welche nichtoperativ (d.h. konservativ) behandelt werden. Oft ist eine Operation nur dann notwendig, wenn die über Monate korrekt durchgeführte konservative Behandlung versagt hat. Dies ist der Moment, wo Sie der Hausarzt an den Spezialistenüberweisen sollte.

Zur Diagnose von Schultererkrankungen hat sich heute neben dem immernotwendigen Röntgenbild die Magnetresonanztomografie (MRI) fest etabliert, da sie die Weichteilstrukturen sehr schön darstellen kann. Das Wissen um die Schädigungen der Schulter hat sich in den letzten 2 Jahren sehr rasch vermehrt. Glücklicherweise verfügen wir heute auch über erfolgreiche und den Patienten weniger als früher belastende operative Behandlungsmöglichkeiten.

Ein grosser Schritt vorwärts konnte durch die Arthroskopie (= Gelenkspiegelung) als sog. minimal-invasive Behandlungsmethode erzielt werden. Die meisten Schultereingriffe lassen sich heute arthroskopisch durchführen, was für den Patienten weniger Schmerzen, kleinere Operationsnarben und eine schnellere Heilung bedeutet.

Mit den heute durchgeführten Operationsmethoden lassen sich in der grossen Mehrzahl der Fälle gute Resultate erzielen. Die Bedeutung einer korrekten Nachbehandlung mit der geeigneten – oft über Monate weitergeführten – Physiotherapie kann gar nicht überschätzt werden. Einen Grossteil der Übungen kann und soll der entsprechend instruierte Patient selber zu Hause ausführen.

An unserer spezialisierten Abteilung sind wir in der Lage, das ganze Spektrum von bewährten und innovativen Schultereingriffen abzudecken. Die Ärzte, der Pflegedienst und die Physiotherapie werden ihr Bestes geben, um ein gutes Operationsresultat zu erzielen und Ihnen den Aufenthalt so angenehm wie möglich (und kurz wie nötig) zu gestalten. Ihre Anregungen und Kritik sind uns willkommen, sowenig wie auch Anerkennung und Lob verboten sind!