Instabilität des Schultergelenkes

Einleitung
Die klassische Ausdrucksform der Schulterinstabilität ist die unfallbedingte Verrenkung (=Luxation) des Schultergelenkes. Es sind jedoch alle Übergangsformen von der ausschließlich unfallbedingten Verrenkung bis zur angeborenen respektive konstitutionellen Schulterinstabilität möglich. Während die konstitutionelle Schulterinstabilität oft durch ein konsequent durchgeführtes Gymnastikprogramm zur Kräftigung der Schultermuskulatur gebessert werden kann, werden die unfallbedingten Luxationen mit Erfolg operativ behandelt. Da bei 20-jährigen Patienten die Wahrscheinlichkeit einer Zweitluxation statistisch bis gegen 80% beträgt, ist es ratsam, jungen Patienten schon nach einer ersten Schulterluxation die Operation zu empfehlen.

Bei über 30-jährigen Patienten ist die Häufigkeit, dass sich eine einmalige Luxation wiederholt, bereits deutlich geringer, so dass man hier mit der Operationsempfehlung zurückhaltender ist.

Ein weiterer Grund, dass man heute früher operiert, ist die Entwicklung schonender arthroskopischer Operationsmethoden zur Schulterstabilisierung. Es ist einleuchtend, dass diese Operationen umso erfolgreicher sind, je weniger die Anatomie im Schultergelenk durch häufige Luxationsereignisse beschädigt wurde. Neben den eigentlichen kompletten Luxationen gibt es auch Patienten mit Teilverrenkungen (Subluxationen), welche sich als schmerzhaft einschießendes Schnappen äußern können. Eine Unterform der Instabilität sind schliesslich die nicht seltenen Anrisse der langen Bicepssehne am oberen Pfannenpol, welche als SLAP-Läsionen zunächst bei Wurfsportlern bekannt geworden sind und ebenfalls elegant arthroskopisch refixiert werden können.

Operationsprinzip
Zunächst gleiches Vorgehen wie in Kapitel 3 beschrieben. Die Gelenkspiegelung erlaubt wiederum die exakte Feststellung der anatomischen Veränderungen und definitive Planung des günstigsten Operationsverfahrens. Ein Großteil der instabilen Schultern kann arthroskopisch stabilisiert werden. Bewährt hat sich das Einbringen von Knochenankern, welche mit Fäden armiert sind, am vorderen Pfannenrand. Diese Nähte refixieren und raffen die abgerissene und ausgeweitete Gelenkkapsel samt ihren Verstärkungsbändern (=Bankart-Refixation).

Falls die lange Bizepssehne an ihrem Ursprung am oberen Pfannenpol eingerissen sein sollte, kann auch hier ein Nahtanker gesetzt werden (=SLAP-Refixation). Eine überdehnte Gelenkkapsel kann zusätzlich durch Nähte gerafft und verkleinert werden.

Falls die anatomischen Verhältnisse stark vom Normalen abweichen, d.h. erhebliche knöcherne Defekte vorliegen, wird auch heute (bei mir aber nur ausnahmsweise) die offene Stabilisierung der Schulter bevorzugt. Nur in seltenen Fällen wird auf das Prinzip der Stabilisierung der Schulter mittels Knochenspan, welches früher Standard war, zurückgegriffen.

Nachbehandlung
Die Nachbehandlung hängt vom Operationsverfahren ab und ist im Operationsbericht festgelegt, den wir Ihnen gerne aushändigen. Bei der arthroskopischen Schulterstabilisierung wird eine partielle Ruhigstellung der Schulter während 6 Wochen durchgeführt, die Schulter darf und soll jedoch im vorgeschriebenen Bewegungsumfang bewegt werden und auch Muskelkräftigungsübungen sind von Anfang an erwünscht. Ab der 7. Woche kann dann schrittweise der Bewegungsumfang vergrössert werden. Je mehr eine ausgeweitete Gelenkkapsel im Vordergrund steht, umso eher muss die Schulter postoperativ ruhiggestellt werden, um eine rasche Wiederausweitung der Kapsel zu verhindern. Halten Sie sich bitte an die Merkblätter mit dem auf die Operation abgestimmten Nachbehandlungsschema.

Erfolgsaussichten
Die arthroskopische Schulterstabilisierung ist ein Operationsverfahren, dem gewisse Autoren eine erhöhte Rückfallhäufigkeit zur Last legen. Aufgrund eigener Erfahrung bin ich jedoch der Meinung, dass bei korrekter Operationstechnik, richtiger Nachbehandlung und der Auswahl des zum Patienten passenden Operationsverfahrens gute Resultate mit einer Rückfallhäufigkeit von deutlich unter 10% erzielt werden können.

Das arthroskopische Verfahren ist für den Patienten schonender, nicht nur wegen der minimalen Narbenbildung, sondern auch weil im Gelenk eine annähernd normale Anatomie rekonstruiert werden kann. Dem gegenüber führt das offene Operationsverfahren  doch zu deutlichen Vernarbungen und Veränderungen der Strukturen um das Gelenk, welche sich unter Umständen auch erst nach Jahren bemerkbar machen können.