Schultersteife (Frozen shoulder)

Einleitung
Aufgrund seiner komplexen Anatomie mit vielen empfindlichen Weichteil-Gleitschichten (s. Kapitel 1 und 2) neigt das Schultergelenk mehr als andere grosse Gelenke zum Verkleben und Einsteifen. Das Einsteifen kann als Folge eines Sturzes, einer Operation oder spontan auftreten. Nicht selten kommt es ohne äussere Ursache zu intensiven, anhaltenden Schulterschmerzen mit gleichzeitigem Verlust eines grossen Teils der Beweglichkeit. Die Schulter «friert ein», daher auch der treffende englische Ausdruck «Frozen shoulder». Nach Wochen bis Monaten gehen die Schmerzen zurück, die Schulter bleibt jedoch steif, so dass der Arm nicht nach aussen gedreht und nicht über die Horizontale gehoben werden kann. Die Patienten sind im Alltag erheblich behindert. Monate danach kann die Schulter langsam wieder beweglicher werden, sozusagen «auftauen».

Operationsprinzip und Nachbehandlung
Früher nahm man entweder die Schultersteife als schicksalshaft in Kauf oder hat manchmal mit brachialer Gewalt eine «Schultermobilisation in Narkose» durchgeführt. Heute greift man gerne auf die Arthroskopie zurück, welche auch hier mit Erfolg eingesetzt werden kann. Bei der Operation wird die geschrumpfte und verdickte Gelenkkapsel unter Sicht mit einer elektrothermischen Sonde zirkulär gespalten wird, womit die verlorene Beweglichkeit sofort wieder da ist. Schon im Aufwachsaal beginnen wir mit der Physiotherapie um die gewonnene Beweglichkeit zu erhalten. Die weitere Physiotherapie mehrmals täglich ist in den ersten Tagen von grosser Bedeutung.

Erfolgsaussichten
Die meisten Patienten sind sehr glücklich über die wiedererlangte Beweglichkeit und den Rückgang der Schmerzen nach der Schultermobilisation. Manchmal muss später noch eine Sehnennaht der Rotatorenmanschette als Zweiteingriff erfolgen, um die Schulter wieder annähernd normal funktionieren zu lassen.