Nachbehandlung nach Rotatorenmanschettenrekonstruktion

Kurt Born, Eduard Buess (überarbeitet 6/07)

Phase I: «Ruhephase» bis zur 6. postoperativen Woche

Behandlungsziele:

  • Schaffung optimaler Durchblutungsverhältnisse
  • Förderung der Gelenkstrophik
  • Vermeiden von Adhäsionen der betroffenen Weichteilstrukturen
  • Entspannung der umgebenden Muskulatur

Behandlungsschwerpunkte:

  • Bequeme Lagerung im Ultrasling Tag und Nacht (zum Duschen ausziehen)
  • Assistives Trainieren der AR mit T-Stab bis zur annähernd seitengleichen
  • Amplitude (mindestens 20°)
  • Aktive Scapulastabilisations und –mobilisationsübungen
  • Pendelübungen
  • In Phase I bewusster Verzicht auf Elevation und Abduktion! Ziel: besseresEinheilen der Sehne, da weniger Unruhe an der Kontaktzone zum Knochen

Physiotherapeutische Maßnahmen: 1 x wöchentlich

  • Heimprogramm Phase 1
  • Abschwellende Maßnahmen mittels Lymphdrainage, heißer Rolle, Ultraschall
  • Abbau von reflektorischem Muskelhartspann durch angepasstes Tragen der Armschlinge (z.B. Ultrasling) und Entspannungsübungen
  • Anspannungsübungen der Scapulastabilisatoren
  • Haltungskorrektur
  • Weichteiltechniken (Triggerpunkttherapie)

Phase II:«Mobilisationsphase» von der 7.bis zur 10. postoperativen Woche

Behandlungsziele:

  • Förderung der aktiven und passiven Beweglichkeit mit vorsichtiger
  • Kräftigung der ganzen Rotatorenmanschette
  • Verbesserung der Propriozeption und Sensomotorik
  • Zentrierung und Stabilisation im glenohumeralen Gelenk
  • Verbesserung des glenohumeralen Rhythmus artikulär und muskulär in den einzelnen Gelenksstellungen
  • Beginn mit adäquater Kräftigung der Schultergürtelstabilisatoren und -mobilisatoren

Behandlungsschwerpunkte:

  • Aufbauende Dehnung mit Überkopfpendelzug
  • Aufbau der muskulären Stabilisation
  • Aktive Widerlagerung zwischen Scapula und Humerus

Physiotherapeutische Maßnahmen: 2 x wöchentlich

  • Heimprogramm Phase 2
  • Manuelle Techniken
  • Aktiv-assistive widerlagernde Schultermobilisation in allen Bewegungsebenen
  • Aktive Stabilisationsübungen (Muscle Balance, PNF)
  • Weichteiltechniken (Triggerpunkttherapie, BIGEMA)
  • Dehnung verkürzter Strukturen unter Rücksichtsnahme auf die rekonstruierten Sehnen

Phase III: «Kräftigungsphase» ab der 10. bis 12. postoperativen Woche

Behandlungsziele:

  • Förderung der Kraftausdauer und Ergonomie
  • Schulung des reaktiven Muskeleinsatzes
  • Vorbereitung auf funktionelle Aktivitäten

Behandlungsschwerpunkte:

  • Gezieltes, funktionelles Muskelaufbautraining mittels PNF, MTT usw.
  • Therabandübungen, Kurz- und Langhanteltraining

Physiotherapeutische Maßnahmen: 1 - 2 x wöchentlich

  • Heimprogramm Phase 3 = San Antonio-Programm
  • Spezifische progressive Widerstandsübungen
  • Lokales Ausdauertraining der Schultergürtelmuskulatur in der MTT
  • Einüben von berufs- und sportspezifischen Belastungen (z.B. Wurf-ABC)
  • Instruktion über gelenkschützendes Verhalten


Beachte: Ein messbares Kraftdefizit besteht bis zu einem Jahr postoperativ und länger. Das Krafttraining soll deshalb selbständig weitergeführt werden.

Autofahren / Beruf: Autofahren nach Weglassen des Ultrasling, d.h. i.d.R. nach 6 Wochen. Der Zeitpunkt der Arbeitsaufnahme muss individuell abgesprochen werden.

Sport: Nach etwa 8 Wochen: Radfahren auf nicht holprigen Strassen, Joggen, Wandern, Schwimmen.
Problematischere Sportarten wie Wintersport und Kontaktsportarten nach 4 bis 6 Monaten.
«Überkopf-Sportarten» nach 6 Monaten.